Berufsbild und Anforderungen an einen Geomatiktechniker

Die erforderlichen Kompetenzen eines Geomatiktechnikers können in die untenstehenden Hauptkategorien eingeordnet werden. Dabei ist zu beachten, dass ein Geomatiktechniker nicht von allem ein Bisschen wissen, sondern in seinem Bereich vertieftes Spezialwissen aufweisen soll. Daraus ergeben sich auch die folgenden Anforderungen:

Projektleitung oder Sozialkompetenz: Kompetenzen decken 80% - 100% der nachfolgenden Anforderungen ab

GIS / IT oder Vermessung: Kompetenzen decken 50% der Summe beider Bereiche ab. In der Regel wird wohl ein Bereich vollständig abgedeckt.

1. Projektleitung

In der Rahmenvereinbarung IGS – FGS ist ein Projektleiter folgendermassen definiert:

Leitet entsprechende Projekte fachlich, finanziell und – bei Projekten mit mehreren Mitarbeitenden – personell; ist innerhalb seiner Projekte verantwortlich für die Auftragsbearbeitung (Qualität, Termine, Kosten) und die Leistungsverrechnung (Nachkalkulation, Fakturierung)

Ein frisch abgeschlossener Geomaktiktechniker sollte die Verantwortung über ein Projekt in der Grössenordnung von 100-200 Arbeitsstunden (ca. CHF 10‘000.00 – 20‘000.00) in seinem Fachbereich weitgehend selbständig übernehmen können. Dabei verfügt er insbesondere über folgende Fähigkeiten:

Offertwesen

Er ist in der Lage, eine Offerte in der Grössenordnung seiner Projekte selbständig zu erstellen, kann also den zu erbringenden Stundenaufwand pro Ansatzkategorie und allfällige weitere Kosten realistisch abschätzen. Dies beinhaltet auch die Fähigkeit, die Offerte in einer Form zu erstellen, dass diese den Anforderungen der jeweiligen Firma entspricht (Corporate Identity, Darstellung, Inhalt und Logik). Ein guter Geomatiktechniker ist zudem in der Lage, solche Projekte selbständig zu erkennen und die Kunden darauf anzusprechen.

Rechtliche Grundlagen

Er findet sich in der rechtlichen Landschaft seines Fachbereichs zurecht. Dies bedeutet zumindest, dass er die für ihn wesentlichen Inhalte des Geoinformationsgesetzes und der zugehörigen Verordnungen kennt. Je nach Arbeitsumfeld ist er zudem in der Lage, Spezialgesetzgebungen zu interpretieren und für sich anzuwenden (z.B. bäuerliches Bodenrecht, Meliorationsrecht, Raumplanungsrecht, Baurecht, Arbeitsrecht).

Konzepte

Er ist in der Lage, über Projekte der obenstehenden Grössenordnung selbständig Vorgehenskonzepte und Zeitpläne zu erstellen. Dies als Grundlage für den Auftraggeber oder als eigenes Hilfsmittel zur Kontrolle des Projektfortschritts. Dazu gehört auch, dass voneinander abhängige Teilprozesse oder externe Entscheide berücksichtigt werden.

Projektmanagement

Er ist in der Lage, mit den allgemeinen oder firmenspezifischen Hilfsmitteln umzugehen, welche für die Abwicklung eines Projektes benötigt werden. Dazu gehört einerseits der fundierte Umgang mit Korrespondenzmitteln wie Textverarbeitung, e-mail, oder Terminplanern. Zudem kann er mit dem für ihn notwendigen Bereich oder Auszügen des Buchhaltungsprogrammes umgehen, um die finanzielle Kontrolle über das Projekt sicherzustellen.
Wichtig ist dabei auch, dass der Projektleiter seine eigenen Grenzen und Schwächen kennt und in der Lage ist, durch den rechtzeitigen Beizug anderer kompetenter Personen eine Eskalation von Schwierigkeiten zu verhindern.

2. Sozialkompetenz

Von einem Geomatiktechniker wird erwartet, dass er genügend Sozialkompetenz aufweist, um ein Team zu führen oder im direkten Kundenkontakt zu bestehen. Dazu gehören die folgenden Fähigkeiten:

Vernetztes Denken

Er schafft es, die Brücke zu schlagen zwischen der eigenen Fachdisziplin und den Anforderungen des Kunden oder Vorgesetzten. Dazu gehört einerseits, in anderen Disziplinen denken zu können und zu verstehen, was der Kunde oder der Vorgesetzte will. Auf der anderen Seite muss er auch fähig sein, einer Person ohne Kenntnisse der Geomatik (intelligenter Laie) verständlich zu machen, was die Bedürfnisse und Anforderungen seines Fachbereichs ausmacht.

Belastbarkeit

Er ist fähig, auch unter erschwerten Bedingungen (Witterung, Baustellenemissionen, Termindruck, psychischer Druck) zuverlässig zu arbeiten. Zur Belastbarkeit gehört auch die Bereitschaft, bei entsprechender Notwendigkeit Überstunden zu leisten.

Auftreten

Von einem Geomatiktechniker wird erwartet, dass er sowohl sein äusseres Erscheinungsbild als auch seine sprachliche Ausdrucksweise den jeweiligen Verhältnissen (Sitzung mit Kunden, Baustelle, Büro) anpassen kann. Auf der anderen Seite muss er auch fähig sein, im erforderlichen Mass auf sein Gegenüber einzugehen. So muss er in einer Sitzung mit mehreren Personen seinen Standpunkt vertreten können und feststellen, welchen Einfluss ein möglicher Entscheid auf seine Arbeit hat.

Teamführung

Er verfügt über das notwendige Wissen und die Fähigkeiten im Bereich Teamführung. Dazu gehören unter anderem Motivationsmechanismen, Information, Entscheidungsfreude und Vorausdenken. Als Teamleader führt er seine Mitarbeitenden im Team und kann positive wie negative Ereignisse im Projekt reflektieren.

Verkaufen / Beraten

Er ist fähig, seinen Vorgesetzten oder einen Kunden kompetent zu beraten und bezüglich der zu erwartenden Produkte ins Bild zu setzen. Dazu muss er einerseits in der Lage sein, nicht nur den Aufwand, sondern auch den Wert einer Arbeit zu beurteilen. Auf der anderen Seite muss er auch fähig sein, verschiedene Vorgehensweisen aus verschiedenen Aspekten (Kosten, Zeitaufwand, Nutzen, Risiko, …) auszuleuchten.

Wissensvermittlung

Neben der Wissensvermittlung im Job gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden oder Kunden muss er auch in der Lage sein, Lernende zu betreuen. Dazu gehört die Interpretation von Ausbildungszielen und die Beurteilung vom jeweiligen Ausbildungsstand. Die dazu notwendigen Massnahmen wie Einsatzkoordination oder gezielte Ausbildung muss er selbständig koordinieren und umsetzen können.

3. GIS / IT

Ein Geomatiktechniker mit Spezialwissen im Bereich GIS / IT verfügt über nachfolgendes Wissen:

Datenbanken / Modelle

Er kann auch komplexe Sachverhalte in Modellen abbilden und daraus die entsprechenden Datenbanken bilden. Er weiss über den Umgang mit Datenbanken Bescheid und ist in der Lage, die notwendigen Abfragen, Ein- und Ausgabemasken zu programmieren.

Schnittstellen

Er kennt die gängisten Datenformate in seinem Arbeitsbereich und ist fähig, mit den entsprechenden Schnittstellen dazwischen umzugehen. So ist er auch in der Lage, Daten nach ihrer Qualität zu prüfen und mit ökonomischem Aufwand zu bearbeiten.

GIS-Analyse

Er kann Daten analysieren und in Kombination mit anderen Daten oder für sich alleine die geforderten Auswertungen machen. Dazu gehört auch der Umgang mit Buffern, Abfragewerkzeugen und weiteren Analysewerkzeugen.

4. Vermessung

Ein Geomatiktechniker mit Spezialwissen im Bereich Vermessung verfügt über nachfolgendes Wissen:

Fixpunkte

Er ist in der Lage, ein Fixpunktnetz selbständig zu planen, im Feld anzulegen, zu vermessen und auszuwerten. Dabei ist er fähig, auf die Anforderungen des entsprechenden Netzes (AV, Baustelle, Langzeitüberwachung, ….) einzugehen.

Amtliche Vermessung

Er kennt die Anforderungen an Ablaufprozesse, Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Amtlichen Vermessung und kann die für ihn notwendigen Konsequenzen daraus ziehen. Er kann selbständig Mutationen, Erneuerungs- oder Erstvermessungen durchführen und die entsprechenden Abrechnungsmethoden anwenden. Auch weiss er grob über die Geschichte der Amtlichen Vermessung in der Schweiz Bescheid, um aus heutiger Sicht die Qualität eines Vermessungswerkes beurteilen zu können.

Instrumente

Er kennt die ihm zugewiesenen Vermessungsinstrumente und kann diese seinen Anforderungen entsprechend einstellen oder programmieren. Zudem weiss er über deren Funktionsweise und Eigenheiten Bescheid. Er ist in der Lage, die Verantwortung über einen Instrumentenpark bezüglich Wartung und Prüfung zu übernehmen.

Fehlerabschätzung

Er kennt die verschiedenen Ursachen möglicher Fehler einer Messanlage und kann Methoden anwenden, den Betrag der Fehler zu minimieren. Er ist einerseits in der Lage, eine komplexe Messanordnung auszuwerten und Auskunft zu geben über Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Resultate. Zudem kann er im Hinblick auf geforderte Messgenauigkeiten die optimale Messanordnung und den optimalen Instrumentenansatz herleiten.

Bauvermessung

Er ist in der Lage, auch unter den Baustellenbedingungen mit der geforderten Genauigkeit Vermessungen durchzuführen. Dies bedeutet Absteckungen vorzunehmen, Situationen aufzunehmen oder Fixpunktnetze anzulegen. Dabei ist er sehr flexibel, kann also auf der Baustelle andere Arbeiten als die ursprünglich bestellten durchführen und die entsprechenden Resultate sofort bekanntgeben.